10.06.2011 / Endoprothetik – die wichtigsten Fakten zu Künstlichen Gelenken
Therapiemöglichkeiten und Hilfe bei Gelenkerkrankungen Erkrankungen der Gelenke wie etwa die Arthrose zählen zu den häufigsten Leiden in Deutschland. Meist sind Knie- oder Hüftgelenke von den Knorpelschädigungen betroffen. Abhilfe kann ein künstliches Gelenk schaffen, dessen Einsatz jedoch sorgfältig abgewogen werden muss. Dr. Thorsten Schache, Sektionsleiter Endoprothetik an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Hand-, Fuß- und Wiederherstellungschirurgie der Kreisklinik Groß-Umstadt, erläutert die wichtigsten Fakten zum Thema Endoprothetik und Künstliche Gelenke.
Ursachen
Ursache für übermäßigen Gelenkverschleiß ist meist eine zu hohe Belastung, etwa aufgrund erhöhten Körpergewichts, Fehlstellungen der Gelenke (sei es angeboren oder verletzungsbedingt) oder Bewegungsmangel. Besonders der letzte Punkt gibt zu denken: „Viele Menschen unterschätzen die positive Wirkung, die regelmäßige Bewegung auf Gelenke und Knochen hat", so Dr. Schache, der in seiner Jugend Modernen Fünfkampf als Leistungssport betrieben hat. Jedes Gelenk, jeder Knochen wird von Bändern und Muskeln gehalten und fixiert, die wiederum regelmäßig beansprucht werden müssen, um die volle Funktionalität zu behalten „Egal ob Nordic Walking, Jogging oder beispielsweise auch Tanzen, alle diese Bewegungsabläufe beugen Erkrankungen und Schädigungen der Gelenke vor. Nur wenn Gelenke bewegt werden, bleibt die Knorpelschicht erhalten."
Symptome
Eine Arthrose beginnt meist mit einer Initialverletzung, sei es durch einen Unfall oder eine über längeren Zeitraum andauernde Fehlbelastung. Anfangs äußert sich die Erkrankung mit der typischen Gelenksteifigkeit, die dann zunächst schnell wieder verschwindet. „Später kommen Spannungsgefühle und die typisch stechenden Schmerzen bei Belastung hinzu", so Dr. Schache, „bis das Gelenk schließlich sogar in Ruhestellung schmerzt."
Heilbarkeit
Auch wenn eine Arthrose nicht rückgängig zu machen ist: Durch das richtige Verhalten können Betroffene in jedem Stadium der Krankheit sehr viel selbst tun. Mediziner unterscheiden drei Stadien der Arthrose, in denen unterschiedliche Therapieformen und Maßnahmen Erfolg versprechen:
1. Anfangsstadium: Hier sind persönliche Lebensstilveränderungen wie Gewichtsabnahme, richtige Ernährung und vor allem Bewegung erfolgversprechend.
2. Mittleres Stadium: Im mittleren Stadium lassen sich lokale Schmerztherapien durchführen, Injektionen von Hyaluronsäure, Krankengymnastik sowie gelenkerhaltende operative Maßnahmen.
3. Im fortgeschrittenen Stadium helfen die sogenannte Systemische Schmerztherapie mit Tabletten sowie operative Maßnahmen mit Gelenkersatz. Doch auch in diesem Stadium sollte auf krankengymnastisch unterstützte Bewegung keinesfalls verzichtet werden.
Operation mit Gelenkersatz
„Eine Operation mit Gelenkersatz ist dann notwendig, wenn die konservativen Maßnahmen nicht weiterhelfen, also Physiotherapie, Einlagenversorgung oder lokale Schmerztherapien", so Dr. Schache. In der Regel ist dies der Zeitpunkt, an dem der Patient dauerhaft unter Schmerzen und einer erkennbaren Bewegungseinschränkung leidet. Durch den Einsatz einer Prothese kann dann eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität erreicht werden. Auch sportliche Betätigung ist mit einem künstlichen Gelenk problemlos wieder möglich, egal ob Radfahren, Langlauf, Nordic Walking oder Golfspielen.
Verschleißarme Materialien - hochmoderne Technik
Im Bereich der Hüftendoprothetik werden dafür an der an der Kreisklinik Groß-Umstadt hoch abriebfeste und verschleißarme Materialpaarungen (Keramik/Keramik oder Keramik/hochvernetztes Polyethylen) verwendet und zementfreie Prothesen aus Titan eingesetzt - insbesondere die sogenannten Kurzschaftprothesen. Vorteil: Diese können über minimalinvasive und kurze Zugangswege implantiert werden und sind vor allem für jüngere Patienten interessant, weil bei ihrem Einbau weniger Knochenmaterial entfernt werden muss. „Die Prothesen verklemmen sich durch ihre besondere Form fest im Knochen und sind sofort belastungsstabil", erklärt Dr. Schache.
Zur optimalen Implantation der Prothesenpaarung am Kniegelenk und zur Wiederherstellung der physiologischen Beinachse kommt ein hochmodernes, computergesteuertes Navigationssystem zum Einsatz. Bei einseitigen Defekten können so genannte Schlittenprothesen, die kleinste Form eines künstlichen Gelenkersatzes am Knie, implantiert werden. Am Schultergelenk wird neben der arthroskopischen und offen chirurgischen Versorgung vor allem die Schulterendoprothetik sowohl der degenerativen als auch der traumatischen Genese angeboten. Zu Dr. Schaches Tätigkeitsbereich gehören auch entsprechenden Wechseloperationen der angeführten Gelenke. „Die Entscheidung für eine Prothese ist immer eine Einbahnstraße für den Patienten, es führt kein Weg zurück", erklärt der Mediziner. „Deshalb möchte ich, dass meine Patienten auf diesem Weg die bestmöglichste Betreuung erfahren."
Weitere Informationen zur Endoprothetik in der Kreisklinik Groß-Umstadt








